Aufruf

Keine Profite mit unserer Gesundheit!

Die Aufmerksamkeit, die das Gesundheitswesen aktuell bekommt, ist erfreulich. Klatschen reicht jedoch nicht! Die mühsam erkämpften – und bei weitem nicht ausreichenden – Personaluntergrenzen im Krankenhaus wurden aufgehoben und die Maximalarbeitszeit ausgeweitet. Das führt uns vor Augen, dass das Gesundheitswesen auf Kante genäht ist. Der Krisenfall einer Pandemie zeigt einmal mehr die Anfälligkeit dieses Systems. Jetzt ist der richtige Moment, um eine grundlegende Umgestaltung des Gesundheitswesens einzuleiten!

Am 30.09. & 01.10.2020 treffen sich die Gesundheitsminister*innen der Bundesländer mit Gesundheitsminister Spahn zur Gesundheitsministerkonferenz GMK. Wir als Bündnis aus Beschäftigten, Patient*innen, Angehörigen rufen dazu auf, gemeinsam und lautstark unsere Forderungen auf die Straße zu tragen/zur Sprache zu bringen.

Gesundheit geht uns alle an! Wir brauchen gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen, um nicht krank zu werden und ein funktionierendes Gesundheitswesen, wenn wir krank sind. Die Gesundheitspolitik ist heute aber nicht auf gute Versorgung für alle ausgerichtet. Vielmehr wurde das Gesundheitswesen seit vielen Jahren immer mehr zu einem Markt umgebaut. Die Folge: Die Fokussierung auf Profite oder zumindest die schwarze Null führen zu Unter-, Über- und Fehlversorgung. Das Ziel, Patient*innen gut zu versorgen und langfristig Gesundheit zu fördern, tritt immer weiter in den Hintergrund. Wettbewerb, Profitstreben und Marktlogik stehen den Interessen der Beschäftigten und der Patient*innen entgegen.

Einsparungen in der Pflege, beim Reinigungspersonal und in vielen anderen Bereichen bei gleichzeitig steigender Zahl von Patient*innen und Bewohner*innen führt zusammen mit der schlechten Bezahlung zu einem gefährlichen Personal- und Fachkräftemangel insbesondere in der Pflege. Nicht erst seit dem großen Charité-Streik 2015 kämpfen Beschäftigte für bessere Arbeitsbedingungen, für mehr Personal und damit für eine gute Patient*innenversorgung. Wir sind jedoch noch lange nicht am Ziel: ein solidarisches Gesundheitswesen mit guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen, das bedarfsgerecht finanziert, demokratisch verwaltet und für alle zugänglich gemacht wird.

Wir müssen den Druck aufrechterhalten und deshalb ist es am 17.6. an der Zeit, dass wir alle gemeinsam auf die Straße gehen!

Wir fordern:

  • Gerechte tarifliche Bezahlung für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen statt nur Klatschen und falsche Anerkennung ! Kein Ausweiten der Arbeitszeit auf 12 Stunden!

  • Verbindliche, am Bedarf und an Qualität orientierte Personalschlüssel für alle Bereiche im Gesundheitswesen statt Spahns gefährlich niedrigen Personaluntergrenzen!

  • Bezahlte Zeit für gute Pflege und menschliche Zuwendung durch Pflegekräfte statt Minutenpflege, Zersplitterung der Aufgaben und Deprofessionalisierung!

  • Gesundheitseinrichtungen gehören zur Daseinsvorsorge! Demokratische Kontrolle durch die Allgemeinheit statt Markt und Profit!

  • Solidarische Bürger*innenversicherung für alle statt Zwei-Klassenmedizin!

  • Kostendeckende Finanzierung der Krankenhäuser statt Fallpauschalen, Outsourcing und Spardiktat!

  • Komplette Übernahme der Pflegekosten statt Teilkasko und Armutsrisiko Pflege!

  • Gute Bezahlung, Anerkennung und geschlechtergerechte Verteilung von Pflege- und Sorgearbeit, ob privat oder professionell, statt Zementierung als Frauen – und Familienaufgabe!

  • Verbesserung der Gesundheitsausbildung und der Arbeitsbedingungen für Gesundheitsprofessionelle weltweit statt Abwerbung von Fachkräften und Illegalisierung von Pflegekräften in privaten Haushalten!

  • Bedarfsgerechte Planung und Steuerung statt „Der Markt wird es schon richten!“

  • Integrierte, flächendeckende Gesundheitsversorgung statt Versorgungslücken neben ambulant-stationären Doppelstrukturen!

  • Selbstbestimmung für alle Gesundheitsberufe statt Fremdbestimmung und hierarchischer Arbeitsteilung!

  • Bedarfsgerechte Ausstattung des öffentlichen Gesundheitsdienstes statt weiterer Privatisierung öffentlicher Aufgaben!

  • Investitionskosten durch die Länder finanzieren statt kaputtsparen!

  • Mehr Geld für Vorbeugung und Rehabilitation statt marktgesteuerte Über-, Unter- und Fehlversorgung!

  • Gesunde Lebensbedingungen statt Ausbeutung bis zum Burn-Out!


Gesundheit darf keine Ware sein!

Gesundheit für alle heißt Ende der Profitorientierung!

Vergesellschaftung des Gesundheitswesens!