DRGs

1. Was sind DRGs?
 
DRG steht für „diagnosis related groups“, übersetzt „diagnosebezogene Fallpauschalen“. Diese Pauschalen stellen seit Anfang der 2000er die Grundlage für die Vergütung der Leistungen, die in Krankenhäusern erbracht werden, dar. 
Alle Diagnosen und Behandlungen werden bestimmten Gruppen zugeordnet, für die dann ein administrierter Festpreis berechnet wird. Die Einteilung in die Gruppen erfolgt über die Hauptdiagnose, aber auch über weitere Nebendiagnosen, erfolgte Prozeduren, das Alter, das Geschlecht, eventuelle Beatmungsstunden der Patient*innen und die Verweildauer im Krankenhaus. Daraus ergibt sich eine bestimmte DRG, die ein Relativgewicht (im Vergleich zu anderen DRGs) hat, das mit dem Landesbasisfallwert (ausgehandelter Basiswert für die DRGs) des jeweiligen Bundeslandes multipliziert wird. Das Ergebnis ist die Summe, die das Krankenhaus für die Behandlung des/der Patient*in erhält. Der individuelle Genesungsprozess wird nicht berücksichtigt.
 
Wichtig: 
    • DRG = diagnosis related groups = diagnosebezogene Fallpauschalen
    • Vergütung der Krankenhäuser aufgrund von administrierten Festpreisen, die sich vor allem nach der Hauptdiagnose richten
    • unabhängig von persönlicher Verfassung und individuellem Genesungsprozess der Patient*innen
 
2. Wie werden die DRGs berechnet?
 
Bei den DRGs handelt es sich um administrierte Festpreise, also keine Durchschnitts- oder Marktpreise. Die Berechnung erfolgt durch das InEK, das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus. Zunächst werden alle DRGs der sogenannten Kalkulationskrankenhäuser („Datenlieferanten“ der tatsächlich angefallenen Kosten) zusammengerechnet und durch die Anzahl dieser DRGs dividiert. So ergibt sich ein Wert, der die durchschnittlichen Kosten der DRGs im betrachteten Jahr angibt. Aufgrund dieses Durchschnitts werden allen DRGs ihre jeweiligen Anteile am Durchschnittswert berechnet, die sogenannten Relativgewichte. Weiter verhandeln die Krankenhausgesellschaft und die Krankenkassen innerhalb der einzelnen Länder jeweils für sich einen Basisfallwert. Dieser Basisfallwert wird dann mit dem Relativgewicht der entsprechenden DRG multipliziert und schon ergibt sich die Geldsumme, die ein Krankenhaus für die bestimmte DRG erhält. 
 
Wichtig: 
    • DRGs = administrierte Festpreise
    • Grundlage: durchschnittliche Kosten pro Fall in einem Jahr
    • Berechnung von Relativgewichten (RG) auf Grundlage des Durchschnittswerts
    • RG von Behandlung A x Landesbasisfallwert = Auszahlung an Krankenhaus für Behandlung A
3. Problematik:
 
Anders als beim Prinzip der Selbstkostendeckung, bei dem die entstandenen Kosten erstattet werden, gibt es durch die DRGs festgelegte Preise für bestimmte Diagnosen und Behandlungsmaßnahmen. Das Krankenhaus erhält das Geld für die Behandlung der Patient*innen also überwiegend aufgrund der gestellten Diagnose – dass jede*r individuell angepasste medizinische und pflegerische Versorgung benötigt, wird nicht berücksichtigt. Nimmt ein*e Patient*in mehr Tage im Krankenhaus in Anspruch als Patient*innen im Schnitt in der zugeordneten DRG, bedeutet das einen Verlust für das Krankenhaus. Schließlich muss die Pflege länger finanziert werden, wobei jedoch keine weitere Vergütung durch die Krankenkassen mit einhergeht. 
Der entstehende Wettbewerb zwischen den Krankenhäusern ist gewollt, da er angeblich zu einer Qualitätssteigerung führt. Das Gegenteil ist der Fall: Damit ein Krankenhaus wirtschaftlich bleibt, werden zunächst vor allem Kosten eingespart. An erster Stelle steht dabei das Personal. Weniger Pflegepersonal ist für mehr Patient*innen verantwortlich. Das gefährdet die Genesung der Patient*innen. Es seien nur ein paar Beispiele genannt: Es fehlt Zeit für die tägliche Hygiene, seelischen Beistand durch Gespräche, langsames Wiedereinführen in die Eigenständigkeit, z.B. beim Essen oder Waschen, aber auch für pflegerische Maßnahmen wie eine adäquate Lagerung immobiler Patient*innen. Das kann zu Haut- und später tieferen Gewebeschäden (sog. Dekubiti) führen, die ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen können. 
Gleichzeitig ist die Gesundheit des Pflegepersonals in Gefahr: durch den Mangel an Kolleg*innen leiden sie unter einem Zeitdruck, der das Gefühl erzeugt, nicht in angemessener Weise für die Patient*innen da sein zu können, ständig etwas vergessen zu haben und nicht mehr den eigentlich erlernten Beruf auszuüben. Neben dieser psychischen Belastung müssen körperliche Anstregungen bewältigt werden, für die Unterstützung notwendig wäre. Patient*innen müssen umgebettet oder aufgesetzt werden – ist niemand zur Stelle, der Zeit hat, dabei zu helfen, wird es allein und auf Kosten des eigenen Rückens durchgeführt. 
Nicht nur das Pflegepersonal, auch Beschäftigte im Bereich von Service, Reinigung, Logistik, etc. sind von der Kosteneinsparung betroffen. Outsourcing dieser Berufsgruppen macht es möglich, sie nicht nach Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlen zu müssen. 
Zusätzlich zur Kosteneinsparung beim Personal werden Entscheidungen bezüglich der Behandlung nicht nur aufgrund dessen entschieden, was am besten für die Patientengesundheit wäre, sondern auch aufgrund dessen, was für das Krankenhaus am rentabelsten ist. So kommen „blutige Entlassungen“ zustande, worunter zu frühe Entlassungen zu verstehen sind, die dafür sorgen, dass Betroffene später eventuell erneut behandelt werden müssen. Dann allerdings handelt es sich um einen neuen „Fall“ – also auch eine neue DRG und somit mehr Geld, Fazit: gesundheitsgefährdende zu frühe Entlassungen als rentable Gewinnerwirtschaftung. 
Einige DRGs bringen besonders viel Geld, andere sind eigentlich immer ein Kostenfaktor. Spezialisieren Krankenhäuser sich auf lukrative Behandlungen, können sie damit ihre wirtschaftliche Existenz sichern. Der Fokus liegt darauf, möglichst die Patient*innen zu behandeln, deren Diagnose gut vergütet ist und die gleichzeitig schnell wieder gesund sind und somit ihr Bett für den nächsten „Fall“ frei machen. Bei dieser Betrachtungsweise von Patient*innen als „Fälle“, lukrativ/rentabel oder unrentabel wird schnell deutlich, dass der Mensch selbst überhaupt nicht mehr im Vordergrund steht. Daneben werden vor allem Privatstationen ausgebaut: medizinische Versorgung ist auch im Sozialstaat Deutschland zumindest teilweise an das eigene Vermögen gekoppelt. 
Hinzu kommt die steigende Unterversorgung auf dem Land, weil besonders die kleinen Krankenhäuser wegen fehlender Wirtschaftlichkeit schließen mussten. Patient*innen müssen weitere Wege auf sich nehmen und können nicht mehr wohnortnah behandelt werden. 
 
Wichtig:
    • Wettbewerb führt zu Kostendruck
    • Personaleinsparungen zu Lasten der Patient*innen- wie Beschäftigtengesundheit
    • Outsourcing von Servicepersonal
    • Blutige Entlassungen
    • Spezialisierung auf Privatstationen und lukrative Behandlungen unabhängig von deren Relevanz für die Gesundheit der Bevölkerung
    • Krankenhausschließungen besonders in kleinen Städten und Dörfern als Folge des Wettbewerbs führt zu fehlender Versorgung vor Ort